Liberalisierung des Deutschen Briefmarktes
Die Liberalisierung des deutschen Postmarktes ist ein Prozess, der sich seit Anfang der 90er Jahre schrittweise vollzogen hat. Auslöser war zum einen die Liberalisierung auf dem Telekommunikationssektor, der zur damaligen Zeit noch eng mit dem Postsektor verbunden war. Zum anderen war auch die europäische Postpolitik maßgebend für die Entwicklung auf dem deutschen Postmarkt.
Ein wesentlicher Meilenstein der Liberalisierung war die Verabschiedung des Postgesetzes 1997. Damit wurde der vormalige Monopolmarkt durch einen wettbewerblichen Rahmen ersetzt und die Exklusivlizenz der Deutschen Post AG sukzessive eingeschränkt. Zielsetzung des Postgesetzes ist es, eine flächendeckende Grundversorgung der Bevölkerung mit Postdienstleistungen in einem funktionsfähigen Wettbewerb zu gewährleisten. Nach mehreren Liberalisierungsschritten mit einer Absenkung der Gewichtgrenzen für die Exklusivlizenz wurde der Markt Anfang 2008 vollständig liberalisiert.
Zielsetzung der Liberalisierung sind:
- Innovatives und kundenorientiertes Angebot
- Qualitätsverbesserung
- Sinkende Preise
- Produktivitätssteigerung
Liberalisierung vor allem bei qualitativ höherwertiger Dienstleistung und Massensendungen
In Deutschland hat sich die Liberalisierung bedingt durch die Lizenzierungspolitik zunächst vor allem im Bereich qualitativ höherwertiger Dienstleistungen und Massensendungen (Werbepost) vollzogen. Der Marktanteil der privaten Zustelldienste liegt zwei Jahre nach der vollständigen Liberalisierung bei ca. 10 % bezogen auf den lizenzierten Briefmarkt.
Neben dem Bereich der Briefzustellung hat die Liberalisierung aber auch erhebliche Veränderungen in der gesamten postalischen Wertschöpfungskette bewirkt. Unterstützt durch die technologische Entwicklung und zunehmende Digitalisierung ist eine steigende Zahl von spezialisierten Marktteilnehmern und eine Vielzahl an Produkt- und Dienstleistungsoptionen entstanden, die den Kunden eine immer größere Auswahl auch an speziell für sie zugeschnittenen Lösungen bietet.
Deutschland in der Vorreiterposition
Deutschland ist im Rahmen der Liberalisierung einer der Vorreiter in Europa. Die EU-Postpolitik sieht zwar letztlich für alle Mitglieder eine vollständige Liberalisierung vor, lässt aber für die Ausgestaltung und den Zeitpfad unterschiedliche Modelle zu (Enddatum für Liberalisierung 2011 bzw. 2013).
Großbritannien hat den Postmarkt ebenfalls schrittweise von 2003 bis 2006 vollständig geöffnet, aufgrund des Regulierungsrahmens hat sich der Wettbewerb hier aber nicht in der Zustellung zum Endkunden (letzte Meile), sondern als „Downstream Access“ auf der Vorleistungsebene entwickelt. Der Marktanteil der Wettbewerber in der Endzustellung liegt daher unter 1%, es werden aber mehr als 30% der Sendungen über private Wettbewerber konsolidiert und bei der Royal Mail eingeliefert.
In den Niederlanden hat sich die Liberalisierung ebenfalls schrittweise von 2003 bis zur vollständigen Öffnung 2009 vollzogen. Hier ist der Wettbewerb mit sogenannten low-cost Angeboten entstanden. Wettbewerber der TNT stellen vorsortierte Massensendungen mit einer termingenauen Zustellung an zwei Tagen der Woche zu. Hier liegt der Marktanteil der privaten Wettberber zur Zeit bei ca. 12%.
